Warum eine CPoV-Konferenz im deutschsprachigen Raum?

Posted: Juli 22, 2010 at 11:59 am  |  By: Johanna Niesyto  |  Tags: , , ,

Wikipedia ist die globale de-facto-Referenz dynamischen Wissens und gehört laut Alexa.com zu den Top 10 der am häufigsten besuchten Websites des Internets. Die öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen ProfessorInnen, Web 2.0-AnhängerInnen und Verlagshäusern über Genauigkeit, Anonymität, Vertrauen, Vandalismus und Expertise scheinen dem Wachstum der Wikipedia-Plattform und ihrer Nutzerschaft nur zuträglich zu sein. Wikipedia als Wissensarchiv gibt uns kritische Einblicke zum gegenwärtigen Status quo von Wissens(re)produktion: Wie ist Wissen organisiert? Welchen Einfluss hat Wissen auf Gesellschaft und Politik? Was sind Mechanismen der Konfliktschlichtung bzw. Machterhaltung/-wiederherstellung im Rahmen von Wissensdarstellung?

Nach der englischsprachigen Wikipedia-Sprachversion ist die deutschsprachige Wikipedia die zweitgrößte Sprachversion mit mehr als einer Million Artikeln. Auf internationalen Treffen wie der Wikimania ist der Einfluss des deutschen Wikimedia Vereins – unterstützendes institutionelles Rückgrat der deutschsprachigen Wikipedia – auf die Wikipedia als globales Projekt deutlich sichtbar. Für den deutschen Raum zeigt desweiteren die Studie des Kommunikationswissenschaftlers Christian Neuberger, dass Journalisten Wikipedia insbesondere für sogenanntes Hintergrundwissen konsultieren. Der Einfluss der deutschsprachigen Wikipedia lässt sich daneben auch an den öffentlichen Diskussionen um das Prinzip der freien Rede am Beispiel der Wikipedia-Einträge über den Politiker Lutz Heilmann oder die ‚Sedlmayr-Mörder‘ ablesen. Aber auch Wikipedia-inhärente Themen werden mittlerweile in deutschsprachigen Blogs, auf Twitter und in überregionalen Printmedien diskutiert. So wurde etwa die Qualitätsdiskussion der deutschsprachigen Wikipedia als Streit zwischen Inklusionisten und Exklusionisten um Relevanzkriterien dargestellt und erörtert.

Derzeit bezahlt der deutsche Wikimedia Verein einen Forscher, der die Auswirkungen einer qualitätssichernden Maßnahme – namentlich die Einführung gesichteter Versionen, also der Möglichkeit, von neuen NutzerInnen vorgenommene Änderungen erst nach einer Prüfung zu veröffentlichen – untersuchen soll. Gleichzeitig findet sich in Deutschland eine wachsende ‚Wikipedistik‘, die auf der Konferenz reflektiert werden soll: Kritische Wikipedia-Forschung findet in jüngster Zeit auch außerhalb der Selbstreflexivität des Wikimedia Vereins und seiner Community sowie im Dialog mit dieser statt. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Wikipedia braucht es solche quantitative und qualitative Forschungen, von denen Wissenschaft, Kunst sowie Wikipedia-User selbst profitieren können.

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