Podiumsdiskussion: Wikipedia und Kritik

PodiumsteilnehmerInnen: Jan Eissfeldt, Thomas König, Geert Lovink, Anne Roth und Mathias Schindler
Moderation: Anja Krieger

Mittlerweile haben die Diskussionen über Funktionsweise und interne Richtlinien der Wikipedia in der Medienwelt ihre Spuren hinterlassen: Wikipedia ist Thema in Blogpostings und Feuilletonbeiträgen. Insbesondere Diskussionen über Wachstum und Qualität von Artikeln sowie damit verbunden die Debatte über die Wikipedia- Relevanzkriterien haben für etwas mediale Furore gesorgt: „Was gehört in die Wikipedia?“ „Was nicht?“ „Und wer entscheidet wie darüber?“ Diese Fragen zeigen, dass das digitale Leitmedium Wikipedia in einer Phase der (Selbst-)Reflektion steckt: „Wie groß kann ein Mitmachprojekt sein?“ „Befinden sich die großen Sprachversionen der Wikipedia in einer Phase der Professionalisierung?“ „Wenn ja, was bedeutet eine solche Entwicklung für Partizipation und Offenheit?“

Sich diesen Fragen zu stellen, heißt darüber zu diskutieren, was die Wikipedia sein will und welche Selbstansprüche mit der Betonung eine „freie Online- Enzyklopädie“ zu sein verbunden sind. Die Podiumsdiskussion fragt nach den kritischen Standpunkten innerhalb und außerhalb der Wikipedia-Community: Wie vertragen sich Prinzipien der Offenheit und Partizipation mit Qualitätsansprüchen und Tendenzen der Professionalisierung? Inwiefern ist mit jenen Tendenzen der Schließung und Professionalisierung eine Reproduktion gesellschaftlicher Mainstream-Wissensproduktion verbunden oder kann Wikipedia zugleich als Gegenöffentlichkeit gelesen werden, die Nährboden für Medienkritik und einen reflektierten Umgang mit Medien bietet? Was ist eigentlich unter einer ‚freien‘ Online- Enzyklopädie zu verstehen? Inwiefern agieren Wikipedia und Wikimedia Deutschland e.V. selbst als KritikerInnen?

Im Sinne einer solchen Standortbestimmung diskutieren aktive BenutzeeInnen der Wikipedia, MitarbeiterInnen des Vereins Wikimedia Deutschland e.V., MedienkritikerInnen und -aktivistInnen über das Selbstverständnis und die Bedeutung der freien Online-Enzyklopädie.

Im Vorfeld bloggt die Moderatorin, Anja Krieger, Zusammenfassungen zu Analysen und Artikeln, die sich mit den zentralen Fragen der Podiumsdiskussion auseinandersetzen: Lektüre zur Wikipedia-Podiumsdiskussion

PodiumsteilnehmerInnen

Jan Eissfeldt organisiert seit 2008 Kooperationen zwischen den Wikimedia-Projekten und Hochschulen auf drei Kontinenten. Akademisch setzt er sich mit epistemologischen Problemen digitaler Diskurse auseinander und ist Student der Philosophie an der Universität Leipzig.

Thomas König schreibt seit 2004/5 an der Wikipedia aktiv mit. Neben der Bearbeitung kontrovers diskutierter Artikel wie Scientology hat er sich auch rege an der Diskussion über das Wikipedia-Grundprinzip des Neutralen Standpunktes beteiligt. Er ist Soziologe und arbeitet als Post-Doc an der University of Surrey.

Geert Lovink ist Medientheoretiker und -kritiker. Seit 2004 ist er Professor an der Hogeschool van Amsterdam und hat dort das Institut für kritische Netztheorie (Institute for Network Cultures) gegründet. In seinen Veröffentlichungen wie „Dark Fiber“ (2002), „Uncanny Networks“ (2002), „My First Recession“ (2003) oder „Zero Comments“ (2007) beschäftigt er sich mit Entwicklungen der Netzkultur. Geert Lovink ist einer der Initiatoren der Wikipedia-Forschungsinitiative CPoV.

Anne Roth ist Bloggerin und Medienaktivistin. 2001 gründete sie mit vielen anderen Indymedia Deutschland als erste interaktive unabhängige Medienplattform. Nachdem im Sommer 2007 ihr Freund Andrej Holm mit dem Vorwurf festgenommen wurde, Terrorist zu sein, startete sie den Blog annalist mit Innenansichten einer Anti-Terror-Ermittlung. Anne Roth schreibt über Innere Sicherheit, Netzpolitik, Überwachung, daneben auch über Geschlechterverhältnisse in der deutschen Blogosphäre.

Mathias Schindler ist seit 2003 Autor bei Wikipedia. 2004 gründete er zusammen mit anderen WikipedianerInnen in Berlin den Verein Wikipedia Deutschland e.V. Seit 2009 arbeitet er dort als Projektmanager. In seiner Freizeit bloggt er u.a. auf netzpolitik.org.

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