Ulrich Johannes Schneider

Ulrich Johannes SchneiderUlrich Johannes Schneider ist Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig und außerplanmäßiger Professor für Philosophie am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig. Schneider ist Experte für Enzyklopädien, Philosophiegeschichte, historische Wissenskulturen sowie für Michel Foucault. Darüber hinaus forscht er zur Geschichte von Universitäten im Zeitalter der Aufklärung, zur französischen Philosophie des 20. Jahrhunderts und zur Bibliotheksgeschichte. Schneider hat mehrere große Digitalisierungs- und Forschungsprojekte u. a. zur Erschließung von Johann Heinrich Zedlers Universal-Lexicon und des Codex Sinaiticus geleitet. In Ausstellungen, journalistischen Texten und als Moderator des Thomasius Club bemüht sich Schneider um Wissenschaftsvermittlung in der Öffentlichkeit.

Produktionsformen vernetzten Wissens seit der Aufklärung

Fachwissen gab es immer, unbestimmtes Hörensagen auch. Neu ist seit der Aufklärung, dass wir ein vermittelbares und nachprüfbares Wissen haben. Darauf beruht alles Lehren und Lernen, dieses Wissen hält die Gesellschaft im Gleichgewicht. Die veröffentlichte und die öffentliche Meinung sind ohne dieses Wissen „im Hintergrund“ ohne Gewicht. Es wird um dieses Wissen gekämpft, es wird erkämpft. Es ist das Wissen der Enzyklopädien.
Die ersten Helden enzyklopädischer Wissenskultur hießen Ephraim Chambers, Johann Heinrich Zedler und Denis Diderot, die vorerst letzten nennen sich Wikipedianer. Sie alle arbeiten auf dem Feld der veröffentlichten und der öffentlichen Meinung. Sie beackern dieses Feld, übersetzen das Wissen aus Büchern und Internetportalen in begreifbare Einheiten, geben den verschiedenen Meinungen Argumente. Die Enzyklopädisten denken global, auch wenn sie in nationalen Kulturen operieren. Sie sind da, wo ihre Leser sind, und zugleich eben dort schon wieder weg.
Aus den Aufgaben der Vermittlung und der Überprüfung ergeben sich komplexe Redaktions-vorgänge. Beim Hintergrundwissen gibt es keinen Unterschied zwischen Produktion und Redaktion; seine Qualität liegt in der Vernetzung selbst. Keine Sache ist nur eine Sache, kein Begriff ohne Interpretation, keine Information ohne Version.
Der Wandel enzyklopädischer Wissensordnungen wird anhand von Beispielen aus der Aufklärungszeit anschaulich erläutert.

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